Deutsche Gouverneure amerikanischer Bundesstaaten

Einwanderer können zwar nicht Präsident der Vereinigten Staaten werden, wohl aber Gouverneur eines Bundesstaates. In der Vergangenheit gab es auch mehrere in Deutschland geborene Gouverneure:

TreutlenJohann Adam Treutlen erblickte in Württemberg das Licht der Welt und kam 1743 als ungefähr 10jähriger nach Amerika. Nach einer schweren Kindheit in armen Verhältnissen wurde Treutlen dank seiner ausgesprochenen Intelligenz zu einem wohlhabenden Landbesitzer und Geschäftsmann in Georgia. Ab 1766 engagierte er sich auch zunehmend in der Politik seines Bundesstaates. Er übernahm eine Führungsrolle in der American Revolution und war 1777 wesentlich an der Erarbeitung der ersten Verfassung von Georgia beteiligt. Im gleichen Jahr wurde er auf ein Jahr zum ersten Gouverneur seines Bundesstaates gewählt. Treutlen, der sich beim Schreiben der Verfassung für die Rechte von armen Menschen einsetzte und sich damit Feinde machte, wurde jedoch nicht wiedergewählt und zog sich 1778 aus der Politik zurück. 1781 hatte er aber mit der Wahl ins Parlament von Georgia ein politisches Comeback, welches jedoch nicht lange währen sollte: In einer Frühlingsnacht des Jahres 1782 wurde er vor seinem Haus ermordet, möglicherweise von politischen Gegnern.

SalomonEdward P. Salomon wurde 1827 in Preußen geboren. Er kam 1849 als junger Mann nach Wisconsin. Dort studierte er Jura und war ab 1855 als Anwalt tätig. Er wurde Vizegouverneur unter Louis P. Harvey, der 1861 zum Gouverneur gewählt worden war. Im folgenden Jahr ertrank Harvey jedoch bei einem Truppenbesuch in Tennessee und der erst 33jährige Salomon nahm dessen Platz ein und führte Wisconsin bis 1864 durch den Bürgerkrieg. Anschließend arbeitete er wieder als Anwalt und zog 1869 nach New York und später zurück nach Deutschland, wo er 1909 starb.

SalomonEdward Selig Salomon (1836-1913) war ein Cousin von Edward P. Salomon (Gouverneur von Wisconsin) und wurde in Schleswig-Holstein geboren und kam als 17jähriger nach Chicago, wo er ein erfolgreicher Geschäftsmann und Anwalt wurde. Im Bürgerkrieg stieg er bis zum General auf. Nach dem Krieg kehrte er nach Chicago zurück und wurde 1869 von Präsident Grant zum Gouverneur des Washington Territory (Washington wurde erst 1889 ein Bundesstaat) im Nordwesten der USA ernannt. Dieses Amt übte er von 1870 bis 1872 aus. Danach ließ er sich als Anwalt in San Francisco nieder.

AltgeldJohn Peter Altgeld wurde 1847 in Hessen geboren. 1848 zog seine Familie auf eine Farm in Ohio. Zu Beginn des Bürgerkrieges trat der 16jährige Altgeld als Freiwilliger in die Armee der Nordstaaten ein. Während des Krieges wurde er schwer krank und kehrte nach Hause zurück. Er wurde Lehrer in Ohio, arbeitete als Eisenbahnbauer in Missouri und Arkansas und dann wieder als Lehrer in Missouri. Später studierte er Jura und wurde Anwalt. Neben dem Beruf war er auch politisch aktiv und setzte sich besonders für die Rechte der Armen ein. 1875 zog er nach Chicago (Illinois), wo er ein erfolgreiches Buch ("Our Penal Machinery and Its Victims") schrieb, das sich mit der ungleichen Behandlung von Armen und Reichen im Rechtssystem auseinander setzte. In den folgenden Jahren wurde Altgelt dann zu einem wohlhabenden Immobilienhändler, der sich auch weiterhin für die armen Bevölkerungsschichten einsetzte. 1892 wurde er Gouverneur von Illinois. Er strebte umfangreiche soziale Reformen an, die das Verbot von Kinderarbeit, die Inspektion von Fabriken sowie gesicherte Rechte für Gewerkschaftsmitglieder einschlossen. 1893 amnestierte er drei Männer, die zusammen mit anderen Demonstranten für einen Bombenanschlag auf Polizeitruppen im Rahmen gewalttätiger Auseinandersetzungen auf dem Haymarket Square in Chicago im Jahre 1886, bei denen es um den 8-Stunden-Tag ging, unter fadenscheinigen Umständen verurteilt worden waren. Getreu seinen Idealen war Altgelt der Meinung, dass die Männer keinen fairen Prozess erhalten hatten. 1894 protestierte er gegen die Entsendung von Truppen durch Präsident Cleveland, die einen Streik von Wagonbauern gewaltsam beenden sollten. Die Industriellen von Illinois unterstützten daraufhin tatkräftig seine politischen Gegner und Altgelt verlor die Wahlen der Jahre 1896 und 1899. Er starb 1902.

SadlerReinhold Sadler (1848-1906) kam aus Preußen nach Amerika und wurde 1896 nach dem Tod von John Edward Jones, dessen Stellvertreter er war, amtierender Gouverneur von Nevada. 1898 wurde er zum Gouverneur gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1902.

BambergerSimon Bamberger (1846-1926) wurde in Hessen geboren und kam als 14jähriger nach Amerika. Gemeinsam mit seinem Bruder führte er eine Bekleidungsfabrik in St. Louis, die jedoch pleite ging. Bamberger zog nach Utah, wo er mit Erfolg ein Hotel betrieb. 1872 investierte er in ein Silberbergwerk und war 1874 so wohlhabend, dass er sich eigentlich zur Ruhe setzen konnte. Er wurde jedoch im Eisenbahnbau tätig und verlor das meiste Geld wieder. In der Folgezeit setzte er sich für jüdische Farmer ein. Von 1917 bis 1921 war er schließlich als erster Nicht-Mormone Gouverneur von Utah. Ein ausgeglichener Staatshaushalt, die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und die Verankerung von Arbeiterrechten gehörten zu den Schwerpunkten seiner Amtszeit.
 

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